YokYok- Der Kultkiosk in Frankfurt

Im Rahmen eines Unterrichtsganges mit dem Praxistag „Stadt der Vielfalt“ besuchten wir mit Frau Machui die Ausstellung „Kein Leben von der Stange“ im Historischen Museum Frankfurt, welche sich mit der Geschichte von „Gastarbeitern“ und ihren Familien nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Dort sind wir in einer Station der Ausstellung auf eine alte Schreibmaschine gestoßen, die Nazim Aldemar gehörte. Dies war ein Anlass ihn mal zu besuchen und zu erfahren, warum sie da ausgestellt ist. Nazim Almedar kommt ursprünglich aus Ankara in der Türkei. Mittlerweile ist er Vorsitzender des Gewerbevereins, Galerist, ehrenamtlich engagiert und Gründer von zwei beliebten Kiosken in Frankfurt. Wie es zu den beliebten Kiosken kam und wie seine Geschichte als Ausländer in Deutschland war, erzählte er uns in einer Gesprächsrunde am vergangenen Dienstag im Yokyok in der Fahrgasse in Frankfurt. Nazim Almedar kam 1978 mit 20 Jahren nach Deutschland, nachdem er zwei Jahre in Zürich in der Schweiz gelebt hat. Eigentlich wollte er nur seinen Cousin besuchen, der in Osnabrück studierte und dort ein paar Wochen Urlaub machen, bevor er wieder in die Türkei zurückgehen würde. In Osnabrück lernte er jedoch seine Frau kennen und aus dem kurzen Urlaub wurden viele Monate Aufenthalt. Nach der Hochzeit blieb er in Deutschland. Er fühlte sich in Deutschland als Ausländer, trotz kleiner rassistischer Vorfälle, willkommen. Er hat Deutschland als eine neue Heimat angenommen. Heute sagt er auch, dass er sich als Frankfurter fühlt. Die Schreibmaschine, die jetzt im Museum ausgestellt ist, besitzt er schon 40 Jahre.  Mit ihr hat er die vielen Briefe an seine Familie, vor allen Dingen an seine Mutter, geschrieben. Sie besitzt nämlich auch türkische Schriftzeichen. Insofern besitzt sie eine besondere Bedeutung. Als er dann Mitte der 1980’er Jahre nach Frankfurt kam, ließ er sich im Bahnhofsviertel nieder. Er erzählte uns wie zu der Zeit viele Kinder von „Gastarbeitern“ in die Grafik- und Videobranche gingen. Er lernte, Filme zu schneiden und zu bearbeiten und übersetzte englische und deutsche Spielfilme auf Türkisch. Er führte kurzeitig einen Onlineshop, in dem er vor allem Filme und Videos verkaufte. Als dieser jedoch langsam Pleite ging, musste sich Nazim umorientieren. Er eröffnete eine Videothek in der er auch Bücher, CD‘s und Kassetten verkaufte, welche jedoch irgendwann auch schließ. Er erzählte uns aber, dass er auch mit den Rückschlägen immer viel Leidenschaft für seine Geschäfte hatte, und dass der Spaß das wichtigste am Arbeiten ist. Seine Vorstellung der Deutschen beschreibt er an einem Modell, welches aus drei Säulen besteht, mit Dingen die Deutsche mögen. Autos, Bier und Fußball.                                                                              Damit eröffnete Nazim 2005 seinen Bierkiosk in der Münchner Straße im Bahnhofsviertel, das er YokYok nannte, in dem er bis heute über 300 Biersorten verkauft. YokYok ist türkisch, und bedeutet „Gibt’s nicht-gibt’s nicht.“ Neben Getränken und Tabakwaren verkauft er hier auch Dinge wie Badelatschen, Netzstrümpfe und vieles mehr. Sein Sortiment ist auf die Belange seiner Kunden ausgelegt. Er selber trinkt sehr gerne Bier, und verkauft mittlerweile auch zwei hauseigene Biersorten und einen Vodka, die in einer Familienbrauerei in Frankfurt hergestellt werden. Ende 2017 eröffnet Nazim den zweiten YokYok Kiosk in der Fahrgasse 21 in der Innenstadt. Diesen Kiosk machte er mit Hilfe der Kuratorin Nina Hurny Pimenta Lima zu einem Kunstkiosk. In dem kleinen, gemütlich gestalteten Raum mit großen Glasfronten, in dem eine Theke und ein paar Stühle und Tische stehen, hängt an den Wänden Kunst. Ca. alle 4 Wochen werden die Bilder eines neuen Künstlers ausgestellt. Viele bildende Künstler  möchten mittlerweile im YokYok ausstellen und die Künstler kommen aus der ganzen Welt und bringen ihre Kultur, mit ihrer Gestaltung, mit ins YokYok.                                                                                                                                                  Bei der Auswahl der Kunst, die die Beiden in dem Kunst-Kiosk ausstellen, achtet sie besonders darauf, dass die Kunst originell ist und dass die Künstler keinen Hass in der Welt verbreiten.                                                                                                                                 In dieser Location veranstaltet Nazim gemeinsam mit seinem Team viele Dinge, von Yoga Kursen, über Politik Diskussionen bis zu kleinen Konzerten, verschiedene, und immer gutbesuchte Events. Seine Lebens- Philosophie besteht ebenfalls aus drei Säulen: Dem Gehirn, der Liebe, und dem Herz. Für ihn bedeutet Kultur nicht ein gezieltes Land, oder eine Geschichte, sondern das, was wir alle dazu beitragen und was jeder aus seinem Land und seiner Geschichte einbringt. Frankfurt ist seine Heimat und er ist sehr stolz, hier zu leben. Er möchte der Gesellschaft und seinen Mitmenschen etwas zurückgeben. Ich bedanke mich im Namen der gesamten Gruppe für den Besuch. Nazim Aldemar lädt jeden ein in seine Kioske zu kommen, und ein Teil der YokYok Familie zu werden. Josefine Müller – Bishop