Unser Besuch im Historischen Museum – Ausstellung „Nicht von der Stange”

Der Praxistag ,,Frankfurt Stadt der Vielfalt” berichtet
Am 18.02.2020 besuchte der Praxistagkurs „Frankfurt Stadt der Vielfalt“ (Schüler und Schülerinnen aus dem neunten und zehnten Jahrgang) von Frau Machui das Historische Museum am Dom/Römer. Dabei haben sich die Schülerinnen und Schüler mit der Ausstellung ,,Kein Leben an der Stange” eingehend befasst.
Beim ersten Besuch der Ausstellung, der am 21. Januar 2020 war, hat die Lyrikerin Tamara Labas, ein damaliges „Gastarbeiterkind“, den Jugendlichen eine Führung zur Ausstellung gegeben und den Jugendlichen etwas über einen dort von ihr ausgestellten Gegenstand erzählt, der sie all die Jahre begleitet hat und immer für sie da war (ihr Teddybär).
Die Ausstellung möchte die Geschichten von „Gastarbeiterfamilien“ in Frankfurt zeigen. Welche Folgen und Auswirkungen dies auf die zurückgelassenen Kinder hatte.

In der Ausstellung gibt es verschiedene Stationen wie zum Beispiel eine mit einer Nähmaschine, einer Schreibmaschine und vielen Telefonen – all das hat mit dem Thema Einwanderung zu tun. Interessant ist, dass die Geschichten dazu teilweise von recht bekannten Frankfurtern stammen, wie z.B. „Mr. Yokyok“, Nazim Alemdar (der demnächst auch einen Besuch von den Jugendlichen bekommt…)
Die erste Station ist z.B. eine Sammlung von Telefonen. Es werden hier jeweils verschiedene Geschichten von Leuten erzählt, die in Deutschland eingewandert sind. Dazu gibt es immer noch einen Gegenstand, der für diese Person wichtig ist/war. Darunter zum Beispiel ein Handy, mit dem ein Junge seine Mutter häufig aus dem Ausland angerufen hat.
Es gibt auch noch eine Station mit einer Nähmaschine, die sich mit dem Job des Schneiderns beschäftigt, da dass die Anstellung vieler eingewanderter Frauen war. Hier kann man selbst an einem Kleid nähen, das ganz bunt ist und für die Vielfalt stehen soll.
Desweiteren gibt es auch noch einen grünen Koffer, welcher für die so genannten „Kofferkinder“ steht. Der Koffer soll die Besucher des Museums dazu einladen ihre eigene oder erfundene Koffergeschichte aufzuschreiben und dem Museum als Ausstellungsstück zu Verfügung zu stellen.

Generation Eins- Komma- Fünf …
… so wurden die Kinder der Arbeitsmigranten aus der Türkei genannt. Gastarbeiter mussten ihre Familienmitglieder und Kinder zurücklassen, da es den Familien noch nicht erlaubt war durch das ,,Abwendeabkommen” vollständig als Familie nach Deutschland zu kommen.
In der Ausstellung werden Interviews auf Kleinbildschirmen von ehemaligen „Gastarbeiterkindern“ gezeigt, die von ihrer Kindheit erzählen.
Kinder unter 16 Jahren war erlaubt mit ihren Eltern ins Ausland zu reisen, allerdings drohte ihnen nach dem 16. Lebensjahr die Abschiebung in die Türkei, deshalb beantragten viele Asyl, um ihren Aufenthalt in Deutschland zu verlängern.
Die getrennten Geschwister erzählten sich meist Geschichten aus ihren Erlebnissen, da sie nie wirklich zusammen etwas erfahren konnten. Eine Mutter, deren Eltern selbst „Gastarbeiter“ waren berichtete von Depressionen und Ängsten aufgrund nicht beantworteter Fragen. Sie sprach davon, dass Eltern keinen Grund haben könnten ihre Kinder allein zu lassen und wie schlimm das Ganze war. Unzufriedenheit, Unruhe und Ängste sind einige Spätfolgen, unter denen heute erwachsene „Gastarbeiterkinder“ durchaus leiden. Viele „Gastarbeiterkinder“ haben deshalb nicht den Mut, ihren eigenen Kindern von ihrer Kindheit zu erzählen, da sie Angst vor Konfrontationen und Kontaktabbruch zu Großeltern haben.

Bitter Things ,,Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien´´
Diese Station der Ausstellung beschäftigt sich mit den Kommunikationsumständen zwischen Eltern und ihren Kindern und wie sie ihr Verhältnis zu den Eltern definieren.
Dabei berichten die meisten davon, wie es war, wenn Geschwister aufgeteilt worden sind, z.B. bei Großeltern, Verwandten oder Babysittern. Häufiger nahmen Eltern einen Teil ihrer Kinder mit nach Deutschland, jedoch hatten sie keine Zeit und nicht das nötige Geld, um ihre Kinder zu versorgen und zu erziehen. Daher schickten sie ihre Kinder häufig doch wieder zurück in die Heimat, wo sie dann im Verwandtenkreis untergebracht wurden. Dadurch verlor man die Nähe der Eltern und man hat sich nur noch über das Telefon verständigt. Persönliche Probleme wurden gar nicht mehr thematisiert. Es ging hauptsächlich um materielle Dinge und Wünsche, die die Kinder an ihren Eltern geäußert haben. Dabei waren ganz andere Dinge ersehnt von den Kindern und Eltern. Dadurch entstand oft kein inniges Verhältnis mit den leiblichen Eltern und die Kinder fühlten sich größtenteils näher an ihre ,,Pflegeeltern” gebunden.
Elternteile berichteten ebenfalls, dass sie Kameras in die Wohnräume ihrer Kinder in der Heimat installiert hatten, um auf die Kinder zu achten.
Viele Eltern hatten den großen Wunsch und die Absicht, wieder zurück in ihr Heimatland und zu ihren Kindern zurück zu kehren, da sie sich nicht wohl fühlten und sie sich weder an die Sprache noch die Kultur anpassen konnten. Jedoch war die Wiedervereinigung schwieriger als gedacht. Entweder passte man sich an die Eltern an und ging ihren Vorlieben und Wünschen nach oder man kehrte ihnen den Rücken zu und verschwand aus den Familien.
Allerdings gab es auch Familien dessen Mitglieder keine Probleme hatten, sich zu integrieren. Die „Gastarbeiterkinder“ gingen normal in die Schule und freundeten sich schnell an. Sie wurden selbstständig und hatten alle nötigen Gebrauchsmittel.

Nicht von der Stange 1

Griechischer Kürschner und Pelzhändler in Frankfurt
Vielleicht erinnert sich jemand an den Mann mit dem bunten Fahrrad …

Er hat nämlich durch sein Aussehen und Auftreten viel Aufsehen in Frankfurt erlangen können. Emmanuel de Greco, der 1964 nach Frankfurt kam und einen Frisörladen führte, beschmückte sein Mitsubishiauto und Fahrrad mit Pelz und vielen kuschligen Ornamenten. Ebenfalls konnte man sich einen bunten Anblick auf das Balkon von Emmanuel verschaffen, wenn man auf der Konsti stand.
Griechischen Gastarbeitern gehörte der Pelzhandel in den 1960er Jahren, wo sie am Bahnhof in Betrieben eingestellt wurden. Man sagt, dass niemand so schnell und präzise an der Pelznähmaschine arbeiten konnten wie Griechinnen. Zudem arbeiteten sie deutlich länger, aber verdienten auch mehr.

Unserer Meinung nach ist die Ausstellung richtig gut gemacht und besitzt umfangreiche, spannende Inhalte. Man kriegt einen persönlichen Eindruck von dem Leben der Personen und durch die vielen verschiedenen Interviews hat man unterschiedliche Erfahrungen und Geschichten mitbekommen, wobei man auch verstehen konnte wie sich die Personen fühlten.
Wir finden, dass man etwas neues lernen kann über die Geschichte der sog. „Gastarbeiter“ und neue Eindrücke gewinnt, wobei es nicht zu langweilig wird und wir können/würden die Ausstellung weiterempfehlen.
Gut zu wissen: Alle Jugendlichen bis 18 können die Frankfurter Museen kostenlos besuchen!!!