Der “Zauberlehrling” im Jahrgang 7

 

zauberlehrling 3

Wir beschäftigen uns diesem Schuljahr mit Balladen. Hier zeige ich euch die Ballade der “Zauberlehrling” von Johann Wolfgang von Goethe:

DER ZAUBERLEHRLING

 

Hat der alten Hexenmeister

Sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

Auch nach meinem Willen leben!

Seine Wort´ und Werke

Merke´ ich und den Brauch,

Und mit Geistesstärke

Tu ich Wunder auch.

 

Walle! walle

Manche Stecke

Dass zum Zwecke

Wasser fließe,

Und mit reichem, vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße!

 

Und nun komm, du alter Besen!

Nimm die schlechten Lumpenhüllen!

Bist schon lange Knechte gewesen;

Nun erfülle meine Willen!

Auf zwei Beine stehe,

Oben sei Kopf,

Eile nun und gehe

Mit dem Wassertopf!

 

Walle! walle

Manche strecke

Dass zum Zwecke

Wasser fließe,

Und mit reichem, vollen schwalle

Zu dem Bade sich ergieße!

 

Seht, er läuft zum Ufer nieder;

Wahrlich! Ist schon an dem Flusse,

Und mit Blitzeschnelle wieder

Ist er hier mit raschen Gusse.

Schon zum zweiten Male!

Wie das Becken schwillt!

Wie sich jede Schale

Volle mit Wasser füllt!

Stehe! Stehe!

Denn wir haben

Deiner Gaben

Voll gemessen!-

Ach, ich merke es! Wehe! Wehe!

Hab ich doch das Wort vergessen!

 

Ach, das Wort, worauf am Ende

Er das wird, was er gewesen.

Ach, er läuft und bringt behände!

Wärst du doch der alte Besen!

Immer neue Güsse

Bringt er schnell herein,

Ach! und hundert Flüsse

Stürzen auf mich ein.

 

Nein, nicht länger

Kann ich´s lassen;

Will ihn fassen.

Das ist Tücke!

Ach! nun wird mir immer bänger!

Welche Miene! welche Blicke!

 

O, du Ausgeburt der Hölle!

Soll das ganze Haus ersaufen?

Seh ich über jede Schwelle

Doch schon Wasserströme laufen.

Ein verruchter Besen,

Der nicht hören will!

Stock, der du gewesen,

Steh doch wieder still!

 

Willst´s am Ende

gar nicht lassen?

Will dich fassen,

Will dich halten,

Und das alte Holz behände

Mit dem scharfen Beile spalten.

 

Seht, da kommt er schleppend wieder!

Wie ich mich nun auf dich werfe,

Gleich, o Kobold, liegst du nieder;

Wahrlich, brav getroffen!

Seht, er ist entzwei!

Und nun kann ich hoffen,

Und ich atme frei!

 

Wehe! wehe!

Beide teile

Stehn in Eile

Schon als knechte

Völlig fertig in die Höhe!

Helft mir, ach! Ihr hohen Mächte!

 

Und  sie laufen! Nass und nässer

Wird´s im Saal und auf den Stufen.

Welch entsetzlich Gewässer!

Herr und Meister! Hört mich rufen!-

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister,

Werd ich nun nicht los.

 

„In die Ecke,

Besen! Besen!

Seid´s gewesen!

Denn als Geister

Ruft euch nur zu seinem Zwecke

Erst hervor der alte Meister.“